StartseiteBildungsdesign neu gedacht – Teil 2: Globale Verantwortung lokal verankern

Bildungsdesign neu gedacht – Teil 2: Globale Verantwortung lokal verankern

Erstellt am: 01.08.2025 - 09:06 Uhr

Bildungsangebote in der Erwachsenenbildung sind dann besonders wirksam, wenn sie nah an der Lebenswelt der Teilnehmenden anknüpfen. Doch was ist, wenn die Themen – wie Nachhaltigkeit, globale Gerechtigkeit oder Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) – auf den ersten Blick nicht alltagsnah erscheinen?

Wie gelingt es, solche Inhalte so zu gestalten, dass sie für Ehrenamtliche in der Kirchengemeinde oder Bildungsverantwortliche im Dekanat greifbar, anschlussfähig und handlungsrelevant werden?

Im Fachbereich „Praxis für die Bildungsarbeit“ setzen wir uns genau dafür ein: Bildungsdesigns zu entwickeln, die gleichzeitig lebensnah und weltbezogen sind – weil beides zusammengehört.

Zwischen Alltag und Weltverantwortung: ein Spannungsfeld?

Design Thinking geht von den konkreten Bedürfnissen der Lernenden aus. Und genau hier entsteht eine Herausforderung: Viele Erwachsene empfinden Themen wie Klimagerechtigkeit, fairer Konsum oder globale Lieferketten als „zu groß“ oder „zu weit weg“.

Gleichzeitig gehört es zum Auftrag kirchlicher und öffentlicher Bildungsarbeit, diese Themen nicht auszuklammern. Die Frage ist also: Wie können wir sie so gestalten, dass sie anschlussfähig werden?

Bildungsdesign als Brücke zwischen Nah und Fern

Hier sind fünf Strategien, mit denen Bildungsangebote im Sinne eines verantwortungsbewussten Designs gestaltet werden können – ganz konkret, ganz praktisch:

  • Persönliches mit Globalem verbinden
    Was hat mein Alltag mit der Welt zu tun?
    Ein Workshop zur Lebensmittelverschwendung kann z. B. mit der Frage starten:
    „Was landet bei dir regelmäßig im Müll – und warum?“
    Darauf aufbauend kann ein kurzer Impuls zeigen, welche globalen Ressourcen für diese Produkte verbraucht wurden – und welche Auswirkungen das hat. Die Lernenden bleiben im Alltag – und erweitern gleichzeitig ihren Horizont.
  • Lernen durch „sanfte Provokationen“
    Globale Themen dürfen herausfordern – aber sie müssen dabei wertschätzend und dialogisch bleiben.
    Methoden wie Liberating Structures oder Zukunftswerkstätten eignen sich gut, um Denkgewohnheiten zu hinterfragen, ohne Menschen zu beschämen.
    Eine Übung könnte sein:
    „Was würde sich in deinem Alltag ändern, wenn du nur noch halb so viele Ressourcen verbrauchst?“
  • Kleine Schritte statt großer Moral
    Wichtig ist, realistische Handlungsoptionen aufzuzeigen.
    Ein Workshop könnte sich z. B. mit ressourcenschonendem Handeln im Alltag beschäftigen: Tauschringe, gemeinschaftliches Einkaufen oder Nachbarschaftsgärten.
    So wird Verantwortung nicht zur Last, sondern zum geteilten Erfahrungsraum.
  • Lernen in Gemeinschaft
    Lernprozesse zu globalen Themen profitieren vom Austausch.
    Kleine Gruppen ermöglichen, Erfahrungen zu teilen, Fragen zu stellen und voneinander zu lernen – ohne Leistungsdruck.
    Auch Kirchengemeinden und Nachbarschaftsräume sind hier wertvolle Lernorte, weil sie Vertrauen und Zugehörigkeit schaffen.
  • Nutzerorientierung weiter denken
    Design Thinking ermutigt uns, Angebote an den Lernenden auszurichten. Doch das heißt nicht, es allen bequem zu machen.
    Bildung darf und soll irritieren – wenn sie gleichzeitig Halt, Zeit und Raum für Reflexion gibt.
    Deshalb: Bildungsdesign bedeutet, nicht nur vorhandene Bedürfnisse zu bedienen, sondern auch neue Perspektiven zu eröffnen.

Beispiel: Ein Workshop zum Thema „Nachhaltigkeit im Alltag“
Ein praxisnahes Format könnte so aussehen:

  • Einstieg:
    Kurze Reflexion: „Was mache ich im Alltag bereits achtsam – was nicht?“
    (z. B. mit Karten, Bildern, Statements)
  • Verbindung persönlicher und globaler Perspektiven:
    Impulse aus der Welt – z. B. Erfahrungsberichte von Menschen im globalen Süden, ergänzt durch eine Diskussion zur Rolle unseres Konsumverhaltens.
  • Ideen entwickeln:
    In Kleingruppen: „Was wäre ein nächster kleiner Schritt in meinem Alltag?“
  • Handlungsplan formulieren:
    Jede:r Teilnehmende notiert ein Vorhaben für die nächsten zwei Wochen.
    Zum Beispiel: Reste-Rezepte ausprobieren, gemeinsam einkaufen, eine Kleidertausch-Aktion in der Gemeinde initiieren.

Bildung zwischen Achtsamkeit und Weltverantwortung

Wenn Bildungsdesign gut gemacht ist, muss es keinen Gegensatz geben zwischen Nutzerorientierung und gesellschaftlicher Relevanz.

Im Gegenteil: Genau an der Schnittstelle zwischen Alltagsnähe und globalem Denken entsteht echte transformative Bildung.

Als Fachbereich Erwachsenen- und Familienbildung setzen wir uns dafür ein, dass Bildungsmultiplikator:innen aus Gemeinden, Dekanaten und Nachbarschaften unterstützt werden, solche Lernprozesse zu gestalten – kreativ, verantwortungsvoll und mit Blick auf das, was Menschen stärkt.

Ausblick auf Teil 3:

Im letzten Teil dieser Reihe fragen wir weiter:
Was bedeutet es, wenn Bildungsdesign nicht nur globale Verantwortung aufgreift, sondern auch bewusst demokratische Werte stärkt – in Zeiten, in denen Populismus, Vorurteile und Polarisierung zunehmen?
Wir zeigen, wie Lernprozesse so gestaltet werden können, dass sie gesellschaftliche Teilhabe fördern – und dabei weder bevormundend noch belehrend wirken.

Du hast Lust, mit globalen Themen zu arbeiten, weißt aber noch nicht wie?

Du möchtest dein bestehendes Angebot weiterentwickeln oder brauchst Unterstützung beim Einstieg?
Dann komm gerne auf uns zu – wir begleiten dich.

Mike Breitbart
Fachreferent für „Praxis für die Bildungsarbeit“

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