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Demokratie braucht geschützte Räume

Erstellt am: 17.09.2026 - 12:17 Uhr

Das deutliche Wahlergebnis für antidemokratische und rechtsextreme Kräfte bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt stellt ein hohes Risiko für die freie Bildungsarbeit dar. Als Mitglied des Bundesverbands Evangelische Erwachsenenbildung (EEB) unterstützen wir die aktuelle Stellungnahme der Fachgruppe Politische Bildung, die vor diesem Hintergrund den gesellschaftlichen Auftrag der evangelischen Bildungsarbeit betont und die Bedeutung von EEB-Einrichtungen als demokratische Lernorte hervorhebt, in denen Menschen sich als selbstbestimmte, kritisch denkende und sozial verantwortliche Individuen als Teil der Gesellschaft entwickeln können.

Demokratische Lernorte

In den EEB-Einrichtungen müssen auch in Zukunft Bildungsveranstaltungen stattfinden können, in denen unterschiedliche politische Positionen diskutiert werden, ohne dass Menschen aufgrund ihrer Herkunft, Religion, ihres Geschlechts oder ihrer sexuellen Orientierung diskriminiert oder eingeschüchtert werden. Es geht darum, dass auch weiterhin Lernorte gestaltet werden, an denen Teilnehmende demokratische Kompetenzen wie Dialogfähigkeit, Perspektivwechsel, Konfliktlösung und gesellschaftliche Mitverantwortung einüben können. Wichtig ist, dass Begegnungsräume und #verständigungsOrte vorhanden sind, in denen Menschen unterschiedlicher Generationen, sozialer Milieus, kultureller Hintergründe und politischer Überzeugungen miteinander ins Gespräch kommen und Dialog einüben. Dort können sie Vorurteile abbauen und somit die Gesellschaft zukunftsorientiert mitgestalten.

Ausgrenzung, Hetze, rechtsextreme Diffamierung und politische Einschüchterung haben hier keinen Platz. Geforderten Bekenntnissen zu einem rein nationalen oder völkischen Patriotismus erteilen wir eine Absage. Unser Patriotismus gilt unserer vielfältigen Gesellschaft und den Werten, wie sie im Grundgesetz verankert sind: Wir stehen ein für die unantastbare Würde des Menschen, die Rechtsstaatlichkeit und die Vielfalt unserer Demokratie.

Solidarische Netzwerke und kirchliche Mitverantwortung

Der EEB Bundesverband und seine Fachgruppe „Politische Bildung“ stehen angesichts des drohenden politischen Drucks solidarisch mit der Evangelischen Erwachsenenbildung Sachsen-Anhalt (EEB Sachsen-Anhalt), den  zivilgesellschaftlichen Kräften vor Ort sowie in besonderem Maße den vulnerablen Gruppen. Die Mitarbeitenden und ihre Bildungseinrichtungen leisten unter immer schwieriger werdenden Bedingungen wichtige Arbeit für das gesellschaftliche Miteinander.

Der EEB Bundesverband will gemeinsam mit seinen Mitgliedern und Fachgremien an Hilfsmechanismen zur solidarischen Unterstützung innerhalb des EEB-Netzwerks arbeiten. Ziel ist es, akut gefährdete Einrichtungen künftig fachlich, ideell und strukturell zu unterstützen sowie den länderübergreifenden Austausch über den Umgang mit politischer Einflussnahme zu stärken.

Der Bundesverband und seine Fachgruppe „Politische Bildung“ fordern die  Verantwortlichen in den Landeskirchen und der EKD auf, der evangelischen Bildungsarbeit gerade jetzt beizustehen. Es braucht eine verlässliche Priorisierung und bedarfsgerechte Ressourcen der Kirche selbst, um Bildungseinrichtungen als Orte des gelebten Glaubens und unverzichtbare Säulen des evangelischen Bildungsauftrags handlungsfähig zu halten.

Christliche Werte als Orientierung

Die evangelische Erwachsenen- und Familienbildung gründet auf zentralen christlichen Werten: dem Bekenntnis zur unantastbaren Würde jedes einzelnen Menschen und dem Recht auf freie Entfaltung ohne Diskriminierung. Aus dieser Grundhaltung leitet sich der evangelische Bildungsauftrag ab, der konsequent als Bildung für alle verstanden wird. Unsere Angebote stehen allen Menschen offen, unabhängig von sozialer oder kultureller Herkunft, Religionszugehörigkeit, Geschlecht oder sexueller Identität.

Damit ist eine klare Grenze gezogen: Rassistische, völkische, antisemitische und rechtsextreme Positionen stehen im Widerspruch zu unseren Grundwerten wie Freiheit, Gleichwertigkeit und menschlicher Solidarität. Die Einrichtungen der evangelischen Erwachsenenbildung sind als geschützte Räume zu verstehen. Sie bieten Raum für differenzierten Diskurs, sachbezogene Debatten, offenen Dialog und wertschätzendes Lernen.

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