Wohnen ist ein Menschenrecht – und eine eigene Wohnung eine Grundvoraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe. Doch ein Blick auf die Entwicklungen des Wohnungsmarkts zeigt, dass das für immer mehr Menschen in Frage gestellt ist: Zwischen 500.000 und 900.000 Wohnungen fehlen allein in Deutschland, so das Ergebnis unterschiedlicher Studien. Besonders betroffen sind Großstadtregionen wie das Rhein-Main-Gebiet, in denen die Mietpreise seit Jahren steigen. Wohnungen für Familien und einkommensschwache Menschen sind dort kaum noch zu bekommen. Und auch in ländlichen Räumen fehlen Wohnungsangebote für Menschen mit geringen Einkommen oder für ältere Menschen auf der Suche nach barrierefreiem Wohnraum.
Welchen Beitrag kann Kirche für bezahlbaren Wohnraum leisten?
Die Kammer der EKD für soziale Ordnung benennt in den EKD-Texten 136 „Bezahlbar Wohnen“ drei zentrale Handlungsfelder für Kirche und Diakonie:
- sozial- und wohnungspolitisches Engagement im öffentlichen Diskurs,
- konkretes soziales, diakonisches Handeln und
- den Umgang mit eigenen Gebäuden und Grundstücken, über die Kirche und Diakonie als Eigentümer*in verfügen können.
Das konkrete sozial-diakonische Handeln ist mit der Wohnungslosenhilfe in den Diakonischen Werken fest verankert. Auch Kirchengemeinden und Dekanate engagieren sich in diesem Bereich, zum Beispiel bei der Unterstützung der Wohnungssuche für geflüchtete Menschen. Sie bringen sich auch in den öffentlichen Diskurs mit Fragen des bezahlbaren Wohnens ein, zumindest bei Veranstaltungen im Vorfeld von Wahlen.
Wie der eigene Grundstücks- und Gebäudebestand der Kirchengemeinden gezielte bezahlbare Angebote ermöglicht, zeigt der katholische Stadtverband Frankfurt. Er hat Vermietungsleitlinien für die kirchlichen Gebäude erarbeitet. Diese beinhalten u.a. eine angemessene Wohnungsgröße, die Mischung der Mieterstrukturen im Gebäude und das Ziel, pro Mietshaus eine geflüchtete Familie mit Kindern zu beherbergen.
Das beste Konzept entscheidet, nicht der beste Preis
Doch auch die sogenannten „C-Gebäude“, die gerade über die Gebäudebedarfs- und -entwicklungspläne definiert werden, bieten ein großes Potenzial für kostengünstige Wohnungen. In der EKHN sind es vorrangig Pfarr- und Gemeindehäuser, für die neue Nutzungen gesucht werden, oft auch mit größeren bebaubaren Freiflächen. Voraussetzung ist, dass diese Gebäude und Grundstücke nicht meistbietend auf Immobilienportalen im Internet angeboten werden, sondern zielgerichtet nach geeigneten Partnern vor Ort gesucht wird. Das können diakonische Träger sein, die ein sozial betreutes Wohnungsangebot schaffen wollen, aber auch kommunale Wohnungsunternehmen, Genossenschaften oder gemeinschaftliche Wohnprojekte.
Darüber hinaus gibt es auch die Möglichkeit, Grundstücke und Gebäude nicht zum höchsten Preis, sondern für das beste Konzept auszuschreiben. Dieses Konzept kann neben gefördertem oder seniorengerechtem Wohnraum zum Beispiel auch einen Gemeinschaftsraum umfassen, der weiterhin von der Kirchengemeinde mitgenutzt werden kann.
Digitale Veranstaltungsreihe: Dach und Würde
Unter dem Titel „Dach und Würde“ stellt ab September 2026 eine digitale Veranstaltungsreihe mehrerer kirchlicher und diakonischer Akteure, darunter auch das Zentrum Bildung und Gesellschaft der EKHN, Handlungsmöglichkeiten für bezahlbaren Wohnraum vor. Für Kirchenvorstände und andere Akteure vor Ort gibt es Erläuterungen zu den einzelnen Möglichkeiten, konkrete praktische Beispiele und Gesprächsmöglichkeiten mit den jeweiligen Projektakteuren. Weitere Informationen gibt es im Flyer, die Anmeldung zu den Veranstaltungen ist ab sofort möglich über den Veranstaltungskalender.
Titelfoto: ©Diakonisches Werk Württemberg
