Landwirtschaft und Agrarpolitik

Europäische und nationale Agrarpolitik 

Das ZBG ist u. a. über verschiedene Gremiensitze direkt in aktuelle agrarpolitische Diskurse eingebunden. So vertritt das ZBG u. a. die Evangelische Kirche Deutschland sowie die Deutsche Bischofkonferenz 2023-2027 im Begleitausschuss zum Nationalen GAP-Strategieplan. In Hessen und Rheinland-Pfalz ist das ZBG in den jeweiligen ELER-Begleitausschüssen seit vielen Jahren Mitglied. Dort diskutieren sehr verschiedene Wirtschafts- und Sozialpartner zusammen mit den Agrarministerien über die regionale ELER-Ausrichtung. 

Insbesondere in Zeiten von agrarpolitischen Umbruchzeiten ist es wichtig, dass die Diskussionen nicht bloß von wenigen gut organisierten agrarischen Akteuren dominiert werden, sondern eine Pluralität der Diskursteilnehmer sichergestellt wird. 

Christliche Blickwinkel und ethische Impulse können dabei zur Erweiterung der Perspektiven beitragen. Denn im Agrarsektor geht es zumeist nicht bloß um naturwissenschaftliche, ökonomische oder technologische Fragestellungen – die landwirtschaftlichen Problematiken haben ganz überwiegend auch eine soziale, kulturelle oder normative Dimension. 

Beispiele dafür sind die nachhaltige Sicherung der Welternährung, Erntedank, die soziale Ausgestaltung des landwirtschaftlichen Strukturwandels, Steigerung des Tierwohls, Umgang mit Tierseuchen, Umwelt-, Biodiversitäts- und Klimaschutz in den Agrarlandschaften, Umgang mit neuen Technologien wie Gentechnik und Biopatente, faire Partizipationsmöglichkeiten in der ländlichen Entwicklung, Förderung gesunder Ernährungsmuster. 


Landwirtschaft

Landwirtschaft ist seit der neolithischen Revolution vor 12.000 Jahren ein Zusammenspiel von Natur und Kultur. Während bis heute in einigen wenigen Weltgegenden noch halb-nomadische Strukturen bestehen, hat die Landwirtschaft insgesamt gesehen einen wahren Siegeszug um die gesamte Welt angetreten. Sesshaftwerdung, Nutztierhaltung und Pflanzenbau ermöglichten erst die Arbeitsteilung und Urbanisierung von modernen Gesellschaften. 

Nach vielen Jahrhunderten, in denen immer wieder Hungerkrisen auftraten aufgrund von Kriegen, Seuchen, Wetterextremen, Bevölkerungswachstum etc. konnte während der letzten Jahrzehnte die intensive, globalisierte High-Tech-Landwirtschaft ihre Erträge massiv steigern und stabilisieren. Allerdings hatte die Intensivierung als Kehrseite oft negative externe Effekte wie gravierende Umweltprobleme, Sozialdumping, Tierschutzdefizite.   

Weltweit gesehen gibt es zudem trotz der sehr großen Fortschritte bei der Hungerbekämpfung nach wie vor noch etwa 800 Millionen chronisch unterernährte Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern. In Kriegsregionen steigt der extreme Unter- und Mangelernährung wieder an. Hunger wird gezielt als Kriegswaffe eingesetzt. 

In Europa wurde vor über einem halben Jahrhundert die vollständige Ernährungssicherheit zu vergleichsweise niedrigen Verbraucherpreisen erreicht – auch dank der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der Europäischen Union. 

Während der letzten Jahre sind die Lebensmittelpreise jedoch für die deutschen Konsumenten ungewöhnlich stark angestiegen. Die Ursachen dafür sind vielfältig: gestörte Lieferketten während der Covid-Pandemie, Ertragsschwankungen aufgrund des Klimawandels, gestiegene Energiepreise wegen kriegerischer Auseinandersetzungen, Weltbevölkerungswachstum, internationale Oligopolbildungen im gesamten Agrar- und Ernährungssektor. 

Lange waren die Diskussionen über die Zukunft der Agrar- und Handelspolitik einseitig von Globalisierungsmodellen beherrscht. In zunehmend unruhigen geopolitischen Zeiten gewinnt jedoch auch in der EU der Themenkomplex Ernährungssicherheit wieder stark an politischer Bedeutung.

Die im Agrarsektor tätigen Menschen erfahren seit Langem einen starken Strukturwandel, der zu starken ökonomischen und mentalen Druck führt. Die Arbeitsbelastungen sind oft sehr hoch, die Zukunft erscheint unsicher, Investitionsentscheidungen risikoreich. Zudem wird durch Landwirte mangelnde gesellschaftliche Wertschätzung und unberechtigte Kritik verschiedenster Akteure beklagt. Das ZBG setzt sich deshalb für faire, respektvolle Dialoge rund um das Thema Landwirtschaft ein. Auch Exkursionen und Erntedankgottesdienste können das Bewusstsein dafür stärken, dass das „tägliche Brot“ keinerlei Selbstverständlichkeit darstellt. 


Familie & Betrieb. Ländliche Familienberatung

Familie & Betrieb ist eine systemische Beratungseinrichtung für Menschen aus Betrieben der Landwirtschaftaft und des Weinbaus in Hessen und Rheinhessen. Das Beratungsangebot ist absolut vertraulich, religions- und konfessionsunabhängig und unabhängig von staatlichen und berufsständischen Angeboten.

Träger ist die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck in Kooperation mit der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau.

Weitere Informationen: https://www.familieundbetrieb-hessen.de/

 

Dr. Maren Heincke

Referentin für Stadt-, Land-, Quartiersentwicklung
Telefon: 06131 28744-47
maren.heincke(at)ekhn.de

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