Umweltethik und Tierschutz

Tierschutz und Tierethik

Das ZBG befasst sich u. a. mit Fragen der tiergerechteren Nutztierhaltung, Tiertransporte und des angemessenen Fleischkonsums. Diese Themen werden im gesellschaftlichen Diskurs oft sehr holzschnittartig schwarz-weiß und polarisiert behandelt. In Dialogprozessen kann ein tieferes Verständnis für die bestehenden Zielkonflikte der landwirtschaftlichen Tierhalter geweckt sowie Kenntnisse über modernere Haltungsmethoden vermittelt werden. Gleichzeitig können Tierschützer ihre tierethischen Grundüberzeugungen Landwirten vermitteln. Naturgemäß können sehr unterschiedliche Positionierungen nicht einfach weggewischt werden. Das gegenseitige Aushalten von Ambivalenzen und die Beendigung von Verdrängungsprozessen bauen jedoch Brücken in Richtung Lösungsorientierung.

Die intensive ethisch-theologische Beschäftigung mit Nutztieren wirft viele sehr schwierige Fragen auf. Insbesondere neue wissenschaftliche Erkenntnisse über Evolution, Genetik, Neurologie, Verhaltensbiologie und individuellen Persönlichkeitsmerkmalen der Nutztiere erzwingen Neubewertungen der Mensch-Tier-Beziehung. Die zuvor oft angenommenen ganz fundamentalen Unterschiede zwischen Mensch und Nutztier sind teilweise lediglich gradueller Natur.

Tiere sind empfindsame, leidensfähige Mitgeschöpfe. Sie haben spezifische tierische Sinneswahrnehmungen von der Welt. Tiere besitzen einen eigenen Wert, Würde und Lebensrecht.  Viele Tiere weisen sogar eine besondere Beziehungsfähigkeit auf, die Menschen z. B. therapeutisch nutzen. 

Die Nutzung von Tieren für menschliche Zwecke muss deshalb sehr kritisch reflektiert werden. Gleichzeitig ist anzuerkennen, dass durch die Domestikation eine Ko-Evolution zwischen Nutztieren und Menschheit stattfand. 

Moderne One-Health-Ansätze verweisen zurecht darauf, dass die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt sehr eng voneinander abhängen. Die globalen Risiken von Zoonosen, Antibiotikaresistenzen, Lebensmittelvergiftungen etc. steigen, weil diese enge Beziehungen im Gesundheitsschutz zu wenig beachtet werden. 

In der Bibel gibt es keine klaren Anweisungen bezüglich der Tierhaltung. Es wimmelt in ihr jedoch nur so von Tieren: angefangen bei den Schöpfungsberichten, den friedlichen paradiesischen Zuständen bis hin zur Sintflut und Errettung aller Tierarten in der Arche Noah. Die Sabbatruhe galt auch für Nutztiere. Es gab zahlreiche Opfer-, Tötungs- und Speiserituale bezüglich der Tiere. Beim Umgang mit Tieren geht es um Schuldzusammenhänge und Entlastungsmechanismen, Ehrfurcht vor dem Leben und Überlebenskampf, Reduzierung auf Nutzungsaspekte, Hoffnung auf einen zukünftigen Schöpfungsfrieden. Dieses biblische Mosaik kann vielfältige Reflexionsanstöße geben.


Umweltschutz und Umweltethik

Das ZBG befasst sich mit verschiedenen Umweltthemen des ländlichen Raumes und den damit verbundenen umweltethischen Aspekten. 

Ein besonders starker Arbeitsschwerpunkt des ZBG liegt bei Bodenschutz und Bodenethik. Der langfristige Schutz der fruchtbaren Agrarböden ist eine Überlebensfrage für zukünftige Generationen. Ohne gesunde und ertragreiche Böden kein Leben! 

In der Realität fristet der vorsorgende Bodenschutz jedoch oft immer noch ein Nischendasein. Der tägliche Flächenverbrauch ist in Deutschland mit ca. 60 Hektar nach wie vor sehr hoch. Aber auch der stoffliche Bodenschutz hinkt teilweise den naturwissenschaftlichen Erkenntnissen massiv hinterher, z. B. beim Thema Mikroplastik. Das ZBG versucht, zur Bewusstseinsbildung für den Wert und die Multifunktionalität der Böden, der Bedeutung bodenbiologischer Prozesse etc. beizutragen. 

Andere Beispiele für Umweltinformationen und umweltethische Betrachtungen sind Konflikte rund um den Ausbau Erneuerbarer Energien auf dem Land (Biogasanlagen, Nachwachsende Rohstoffe, Windenergie, Freiflächen-PV-Anlagen). 

Für ländliche Räume sind der Ausbau der Erneuerbaren Energien je nach Art der Ausgestaltung Chance oder Risiko. Bei aller grundsätzlich vernünftigen Argumenten pro „Energiewende“ sind deshalb Vernunft und Augenmaß wichtig. Es gibt zahlreiche ökonomische, ökologische und soziale Zielkonflikte in diesem Zusammenhang. Deshalb sind Maßnahmen zur Reduktion der Konflikte notwendig, z. B. durch Stärkung von Artenschutzbelangen für bedrohte Tierarten oder Ermöglichung ökonomischer Beteiligungsmodelle für Ortsansässige.

 

Dr. Maren Heincke

Referentin für Stadt-, Land-, Quartiersentwicklung
Telefon: 06131 28744-47
maren.heincke(at)ekhn.de

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